Von Luzern über Paris nach Indien… und zurück

Im Sommer 2013 durfte ich als von unserer Vizeprovinz Delegiertewährend vier Wochen in Paris das Generalkapitel unserer internationalen Gemeinschaft miterleben. Einige persönliche Eindrücke aus dieser bereichernden Erfahrung:
Die Berichte und Darstellungen der einzelnen Länder/Provinzen habenmich berührt. Wahrheit und Demut sind uns da entgegengekommen.Die jeweiligen Situationen in ihrer Komplexität, im Angesicht vomKleiner-Werden, von globalen Herausforderungen, von Altersbeschwerden usw. mutig anzuschauen – das drückt für mich Hoffnungaus. Hoffnung, die im Glauben an Gottes Wirken gründet. „Stellt euchder Wirklichkeit, und eine Veränderung wird sich ergeben.“ (Antonyde Mello). Auch der Gesamtblick des Generalrates hat die Hand auf schmerzhafte Realitäten gelegt. Wie können und wollen wir unsere Zukunft gestalten, in der grossen Zerstreuung (25 Länder mit rund 500 Schwestern) und der veränderten Altersstruktur? Wie kann Leben lebendigbleiben und eine Sendung verwirklicht werden, ohne dass wir ausser 9
Atem geraten und uns überfordern? Wir haben einen herausfordernden Weg vor uns.
Das Austauschen und Arbeiten an einem internationalen Treffen ist intensiv. Immer wieder warten, bis ein Beitrag übersetzt ist; langsam und klarreden… (Ich habe meine Interventionen im Voraus notiert, denn ein spontanes Reden mit Änderungen und halben Sätzen ist für die Simultanübersetzung schwierig!). Nicht nur die Sprache, auch eine andere Denk- und Ausdrucksweise muss ich einbeziehen.Was steht hinter den Worten an Emotionen, an Erfahrung, Anliegen, Sorge?Das Zuhören und „Dahinterhören“ istauch hier in unserem Alltag eineschwierige Aufgabe, umso mehr in einer internationalen Gruppe! Aber dasGanze bleibt ein Reichtum und weitet das Herz. Es gab auch frohe,lustige Situationen beim Tischtennis-Turnier, beim Boccia-Spiel oderbei Volkstänzen aus verschiedenen Ländern.
Auch Loslassen war angesagt. Zum Beispiel: in den Monaten der Vorbereitung auf das Kapitel wurde oft betont, dass grosse Umbrüchedran seien. Alle Provinzen haben intensiv an Überlegungen und Vorschlägen gearbeitet, dies weckte Erwartungen. Am Kapitel selberspürte ich mehr und mehr, dass grössere Entscheidungen nicht reifsind. Dass es jetzt zwar um eine Klärung der gemeinsamen Ausrichtung geht, aber dass noch viele Begegnungen und Dialoge an der Basis notwendig sind, damit Neuerungen möglichst von allen mitgetragen werden. Es gibt Ängste, geschichtliche Situationen, gegenseitigePrägungen und Verletzungen… So musste ich die Erwartung loslassen, mit klaren, konkreten Entscheidungen zurückzukommen. Mirwurde bewusst, dass ein kollegiales, partizipatives Vorgehen - dassehr gewünscht wurde - viel Zeit und einen langen Atem erfordert.Mit unserer Demokratie haben wir da schon einige Erfahrungen!Kapelle Paris  10
Eine Frucht des Generalkapitels ist, dass ichnun für drei Monate nach Kolkata gehe, umdort eine kleine Gemeinschaft jüngerer indischer Schwestern mit der „Präsenz einerGrossmutter“ zu stützen. Eine diesbezüglicheAnfrage ist in meinem Herzen angekommenund die Gemeinschaft und Provinz haben dazuja gesagt. So versuche ich, darauf zu antworten, so gut es geht. Ich freue mich und binnatürlich auch ein wenig gespannt!

Sr. Anna Brunner